Ich ertappe mich in letzter Zeit oft bei dem Gedanken, dass ich als Unternehmer zwischen zwei Welten wandle. Wie ich auf der gemeinsamen Reise wieder feststellen durfte, ist mein Spirit einfach der eines Silicon Valley Guys – weshalb ich in unseren eher traditionellen Breitengraden oft an unsichtbare Grenzen gestoßen bin.
Ein gutes Beispiel dafür war unser jüngster Ausbau. Wir hatten massiv investiert: den Hafenraum vergrößert, neue Trainingszentren und geniale Coworking-Spaces geschaffen sowie ein komplett neues ERP-System eingeführt. Die Maschine war perfekt aufgestellt für Skalierung. Und genau in dem Moment ändert der Markt da draußen radikal die Spielregeln. Plötzlich bauen Firmen ihre Wasserköpfe ab, statt in die Weiterbildung älterer Führungskräfte zu investieren, wurden diese entlassen. Da bricht dir logischerweise erst einmal Nachfrage weg. Aber wir haben schnell erkannt: Gerade weil die Teams jetzt radikal verschlankt werden, brauchen die verbleibenden Führungskräfte erst recht Fürsorge, gutes Sparring und Unterstützung, um in dieser verrückten Welt nicht komplett unterzugehen. Witzigerweise versteht man gerade dann, wofür man eigentlich so ein agiles Fundament gebaut hat. Anstatt an den alten Plänen zu kleben, haben wir einfach einen Pivot hingelegt: Wir haben unser starkes Setup genommen und es sofort an die neuen Bedingungen angepasst. Punkt.
Radikale Fehlerkultur erleben
Meine Reise ins Silicon Valley passte perfekt in diese Zeit. Ein Erlebnis ist mir dabei besonders im Kopf geblieben: der Besuch einer dortigen Schule. Ich war vom Jetlag eigentlich total durch und wollte im Hotel bleiben, habe mich dann aber doch aufgerafft. Zum Glück. Da standen Zehnjährige ganz selbstverständlich an 3D-Druckern und Fräsen. Die lernen dort von Grund auf, wie man ein Business aufzieht, und nehmen ganz nebenbei am X-Prize teil. Oder die Story von Danny: ein Unternehmer, der praktisch schon pleite war und den am Ende eine einzige neue Code-Zeile gerettet hat. Dieser extrem lockere Umgang mit Fehlern fasziniert mich. Da werden Regeln auch mal ignoriert, um Dinge einfach schnell zu testen. Scheitern gehört dort einfach dazu und wird völlig offen besprochen. Wir in Deutschland tun uns damit wahnsinnig schwer.
„Dabei sind wir als Kinder doch auch hunderte Male hingefallen, bis wir laufen konnten. Da hat ja auch niemand gesagt: ‚Bleib liegen, du bist jetzt zum dritten Mal gestolpert.‘“
Natürlich haben wir auch die Kehrseite kennengelernt. Das fehlende Sicherheitsnetz ist dort allgegenwärtig. Der rasante Aufstieg ist greifbar, aber der Fall ist tief. Auch die Finanzierungsmodelle unterscheiden sich fundamental. Unser europäisches System ist glücklicherweise auf den nachhaltigen Erhalt von Unternehmen über Generationen ausgelegt. Drüben geht es oft darum, Milliardenkapital zu verbrennen, um schnell ein weltbeherrschendes Unicorn aufzubauen. Das sind zwei völlig verschiedene Welten.
Was mich aber echt umgehauen hat: Diversität ist da drüben an der Tagesordnung, vielleicht sogar der eigentliche Motor. Wenn du dir die Teams bei Tech-Giganten wie Zoom oder Google anschaust, siehst du sofort: Genau dieser wilde Mix an Typen und Perspektiven ist der Grund, warum die technologisch so extrem stark abliefern.
KI als persönlicher Freiraum-Schaffer
Für mich als ITler hat diese Reise meine tief verankerte Trial-and-Error-Mentalität absolut bestätigt. Mein Motto lautet: „Beschäftigung weg, Arbeit gern.“ Ich nutze Künstliche Intelligenz völlig angstfrei, um lästige Routineaufgaben zu automatisieren. Ich habe mir beispielsweise einen Gem mit Googles Gemini gebaut – mein persönlicher Seminarentwickler. Im Dialog mit der KI entwerfe ich komplette Unternehmensstrategie-Workshops für Kunden. Die Ergebnisse verfeinere ich anschließend im VS Code Editor mit dem GitHub Copilot Plugin. Auch Tools wie Claude Opus oder ChatGPT gehören zu meinem täglichen Arsenal. Frei nach dem Motto: Mach den Kram weg und schaff dir Freiraum für die guten Sachen, für den heißen Scheiß. Deswegen finde ich KI großartig; Berührungsängste kosten hier nur Zeit.
Wir neigen in Deutschland echt dazu, alles totzudiskutieren, statt einfach mal neu anzufangen. Manchmal muss der alte Kram einfach weg. Das merkst du extrem, wenn du in San Francisco in einem fahrerlosen Waymo sitzt und dich ganz selbstverständlich durch die Stadt kutschieren lässt – während wir hierzulande noch endlose Grundsatzdiskussionen über Antriebsarten führen. Ich bin mit einem klaren Ziel zurückgekommen: Ich will genau dieses furchtlose Ausprobieren in unsere Firmen bringen und Führungskräfte anstiften, ihre eingerosteten Routinen endlich über Bord zu werfen.
Digitale Effizienz trifft menschliche Tiefe
Im Gespräch mit Thilo Jeske wird schnell klar: Hier spricht jemand, der lieber macht als lange redet. Er hat den Posten als Geschäftsführer ganz bewusst an den Nagel gehängt, um sich bei der Muchow GmbH auf das zu konzentrieren, was ihm wirklich Spaß macht: Direkt mit Führungskräften arbeiten und sie für neue Arbeitsweisen gewinnen. An der Seite von Petra Muchow bringt er sein IT- und Strategiewissen in die Leaders Academy ein – und vereint damit zwei Welten, die nur auf den ersten Blick gegensätzlich wirken.
Thilo hat erkannt, dass Transformation beides braucht: maximale digitale Effizienz im Hintergrund und maximale menschliche Tiefe im Vordergrund. Während sich der Weiterbildungsmarkt aktuell eher defensiv verhält, baut er die digitale Infrastruktur radikal aus. Ein gut aufgesetztes ERP-System und der pragmatische Einsatz von KI-Tools wie Gemini, Claude oder ChatGPT schlucken die lästige Fleißarbeit. Doch der eigentliche Clou daran zeigt sich bei Formaten wie dem Seminar „Der Krieger“. Dieser Workshop hat absolut nichts mit Technologie zu tun – hier geht es um echte menschliche Verbindung, innere Klarheit und das bewusste Verlassen der Komfortzone. Einerseits wird der ganze Hintergrund automatisiert, damit in den Coachings die volle Energie zu 100 Prozent bei den Menschen bleibt. Clever gelöst. Die Mischung aus digitalem Fundament und rohem, ungefiltertem Kontakt ist eine Herangehensweise, die wir bewundern.


